Kommentar: Doppelmayrs Ausflug in die Achterbahnwelt

Huch!

Ich hatte mich immer schon gefragt, wann Seilbahn-Hersteller Dopplmayr auch mal ins Themenpark-Geschäft einsteigt und irgendwie jetzt erst registriert, dass man 2006 mit dem Typ “Mountain Glider” eine Art Seil-Achterbahn im Programm hatte.

Als Walibi Belgium noch zur StarParks-Gruppe gehörte scheint Bill Muirhead (damaliger CEO) sich von Doppelmayr zum Kauf überzeugt lassen zu haben und so sollte 2006 der Typ dort als “Vertigo” eröffnen. Sie planten ein großes TV-Event, schalteten viel Werbung – und dann lief die Anlage 2006 erst mal garnicht.

Wer sich das Konzept ansieht und Achterbahnprinzipien kennt, wird sich erst mal am Kopf kratzen: Das Ding fährt mittels Einzel-4er-Sessel und hat Bremsen am Fahrgestell (!). Wie sie gebremst werden? Mittels WLAN (!!). Respekt. Für einen Erstlingsprototypen war das mehr als gewagt. (Und so sieht das dann aus, wenn der Router neu gestartet werden muss).

2007 fuhr “Vertigo” tatsächlich ganz kurz. Allerdings hatte Doppelmayr die Notwendigkeit des Massendurchsatzes völlig unterschätzt und konnte maximal nur 6 Wägen à 4 Personen auf das Seil schicken. Rost soll angeblich auch ein Problem gewesen sein. Vereinfacht gesagt scheint man primär einen Prototypen im laufendem Themen-Park-Betrieb ausprobiert zu haben.

Walibi hat dann wohl irgendwann zu Doppelmayr gesagt: “Moment mal… wir wollten doch 1.200 Leute pro Stunde hier durchschleusen. Und der Mountain Glider schafft wieviel? 200?” Und die Antwort von Doppelmayr bzw. ihrer damaligen Tochter Input muss wohl ein Achselzucken gewesen sein… (Zahlen jetzt nur symbolisch).

In der Szene war man zum einen begeistert vom Konzept und diesem sehr ungewöhnlichen Achterbahn-Typen und Fahrgefühl, zum anderen aber entsetzt darüber, wie wenig man sich bei Doppelmayr wohl Gedanken über den eigentlichen Bedarf im Parkbetrieb gemacht hat. 2 Jahre nach der geplanten Eröffnung, am 8. Mai 2008, eröffnete man die Bahn NOCHMAL feierlich mit riesem Klimmbimm und Jean-Claude Van Damme. Und dann: 10 Tage später schloß man sie, radierte sie vollständig vom Parkplan – und irgendwann war sie dann einfach abgebaut. Ich möchte nicht wissen, was für eine emotionale Reise das Vertigo-Team in dieser Zeit durchgemacht hat.

Was für eine Verschwendung an Potential, Arbeitskraft und Potential. Kein Wunder dass Doppelmayr nie mehr einen Fuß in die Erlebniswelt-Branche gewagt hat. Schon ärgerlich, wenn der erste Schuß so versemmelt wird. Schade, ich wär’s gerne mal gefahren!

(diesen Beitrag wurde zuerst auf blog.coaster.de veröffentlicht)

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